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Darmflora und Multiple Sklerose – Zusammenhänge

Multiple Sklerose (MS) ist eine Erkrankung, die eine ganze Bandbreite unterschiedlicher neurologischer Symptome verursachen und deshalb auch ganz verschiedene Verläufe nehmen kann. Auch die Symptome oder Beeinträchtigungen, unter denen Betroffene leiden, können sich entsprechend unterscheiden. Es handelt sich um eine autoimmune, chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung. Das bedeutet, dass die körpereigenen Abwehrkräfte fälschlicherweise Teile des Zentralen Nervensystems angreifen. So kommt es zu Entzündungsherden, die an allen Stellen des Nervensystems auftreten können. Die eine Ursache, auf die die Entstehung von Multipler Sklerose zurückzuführen ist, ist bisher nicht gefunden. Es wird davon ausgegangen, dass eine Fülle verschiedener Faktoren eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielt, so zum Beispiel Rauchen, Übergewicht, vor allem, wenn dieses bereits in der Kindheit beginnt, und genetische Faktoren. Auch eine Ernährung mit zu viel Salz fällt unter die möglichen Risikofaktoren.

 

Inzwischen wurde auch ein Zusammenhang zwischen der Multiplen Sklerose und der Darmflora entdeckt. Bei der Darmflora handelt es sich um ein komplexes Gebilde. Die menschliche Darmflora besteht aus einer Vielzahl verschiedener Bakterien, die den Darmtrakt besiedeln und wichtige Aufgaben erfüllen. So spielt die Darmflora nicht nur eine Rolle bei der Verdauung und bei der Versorgung des Körpers mit Nährstoffen und Vitaminen, sondern auch bei der Frage, ob eine Person übergewichtig wird oder nicht. Darüber hinaus ist es auch Aufgabe der dort befindlichen Bakterien, diverse Erreger abzuwehren. Die Darmflora und ihre Gesundheit spielen darüber hinaus auch eine Rolle für das Immunsystem.

 

Bei Personen, die von Multipler Sklerose betroffen sind, wurden Unterschiede zur Darmflora gesunder Menschen festgestellt. So kommen einige Arten von Bakterien bei MS-Patienten in größerem Maß vor, während andere Bakterien fehlen.

Dieser Zusammenhang zwischen Multipler Sklerose und den Bakterien im Darmtrakt ist noch nicht abschließend erforscht. Fraglich ist unter anderem, ob sich die Darmflora durch die Erkrankung verändert oder ob tatsächlich das Ungleichgewicht der Darmflora für die Entstehung von Multipler Sklerose verantwortlich oder mitverantwortlich sein kann.

Eine Theorie geht davon aus, dass im Darm aktivierte Immunzellen bei der Ankunft im Gehirn eine sogenannte Entzündungskaskade auslösen, also die Entzündungsprozesse, die für Multiple Sklerose entscheidend sind, anstoßen.

Außerdem wäre es möglich, dass sich aus dem Zusammenhang zwischen der Darmflora und der Multiplen Sklerose neue Möglichkeiten ergeben, die Erkrankung früher zu diagnostizieren. Das könnte über den Nachweis bestimmter Zellen geschehen. Auf diese Art und Weise wäre es entsprechend auch möglich, früher mit einer Behandlung zu beginnen.

 

Ein Zusammenhang zwischen der Darmflora und der Entstehung von Multipler Sklerose würde auch dafür sprechen, dass die Ernährung Einfluss auf die Erkrankung haben kann. Gut für die Darmflora ist eine Ernährung, die viele Ballaststoffe enthält, aber unter anderem wenig Zucker und rotes Fleisch. Beeinflusst man die Darmflora positiv, kann man auf diese Art möglicherweise auch den Krankheitsverlauf bei Multipler Sklerose beeinflussen.

Auch für die Behandlung der Multiplen Sklerose wäre ein solcher Zusammenhang von Bedeutung. Da die Krankheit dadurch entsteht, dass das Immunsystem den eigenen Körper angreift, erfolgt die Behandlung bisher zu einem großen Teil in der Form, dass das Immunsystem unterdrückt wird. Dieser Vorgang wird auch als Immunsuppression bezeichnet. Hierdurch drohen jedoch weitere Nebenwirkungen. Beispielsweise werden Betroffene auf diese Art auch anfälliger für andere Krankheiten, da die körpereigene Abwehr nun einmal gebremst ist.

Auf der Basis des Zusammenhangs zwischen der Darmflora und der Entstehung von Multipler Sklerose wäre es möglich, eine Behandlung zu entwickeln, bei der nicht mehr das ganze Immunsystem unterdrückt werden müsste. Damit könnte eine große Menge an Nebenwirkungen vermieden werden. Statt der Immunsuppression wird daran geforscht, dem Immunsystem im Grunde beizubringen, nicht mehr die körpereigenen Zellen anzugreifen. Es handelt sich also mehr um eine Umprogrammierung oder auch um eine Korrektur des Fehlers im Abwehrsystem des Körpers. Denkbar wäre auch, Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora zu nehmen und der Erkrankung so entgegenzuwirken. Die Behandlung der Multiplen Sklerose würde sich auf diese Art und Weise deutlich effektiver gestalten.
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